NS-Bauten Deutschland

DAS DOGGERWERK – INNENAUFNAHMEN 1976

Zu allgemeinen Infos zum Doggerwerk/Doggerstollen hier klicken.

Ende 2019 bekam ich eine Mail eines Nürnberger Bürgers, der mir Aufnahmen aus dem Inneren des Doggerstollen aus dem Jahre 1976 anbot. Herr E. war damals mit einem Kollegen in den schon vermauerten Eingang E, bzw. in einen darüber liegenden Schacht eingestiegen. Mit einer Strickleiter gelangten sie in den Gang hinter Eingang E.

Um die Gänge auszuleuchten, verwendeten sie zum Teil eine Autobatterie um Strom für ihre Strahler zu bekommen. Insgesamt dreimal durchforsteten sie die ausgebauten und auch die zum Teil noch nicht ausgebauten Stollen des Doggerwerks – dabei entstanden diese einmaligen Fotos.

Herr E. konnte sich noch ziemlich gut an das – nicht ganz ungefährliche – Abenteuer erinnern und so konnten die meisten der Fotos zumindest ungefähr im Stollensystem von dem Hobbyfotografen verortet werden.
Dennoch sind die Ortsangaben natürlich nicht verbindlich.

Ich möchte mich in diesem Zuge noch einmal ganz herzlich bei Herrn E. für den sehr netten und entgegenkommenden Kontakt und natürlich für die Überlassung der einmaligen Aufnahmen bedanken!





FLUGHAFEN ATZENHOF

Flughafen Atzenhof Fürth
Flugplatzstraße/Gustav-Weißkopf-Straße/Charles-Lindbergh-Straße
Baujahr: ab 1915
Heute: Gewerbegebiet, Büros, Wohnen, Schule, Sport- und Golfpark, Hafen & Industrie

Die erste Nutzung erfolgte durch das Königlich-bayerische Militär als Fliegerstation, mit einer Werft, Flugzeughallen, Magazin und weiteren Gebäuden.
Nach dem 1. Weltkrieg wurde der Flugplatz als internationaler Zivilflughafen genutzt und hieß ab 1922 ‚Flughafen Fürth-Nürnberg‘.


In den 20er Jahren war er damit der achtgrößte Flughafen in Deutschland. Bedeutung hatte der Standort auch für die Firma Junkers-Werke Dessau, die bis 1929 eine Flugwerft und eine Montagestätte auf dem Gelände betrieben.
Nach finanziellen Problemen übernahm die Stadt Nürnberg den Flughafen und benannten ihn in ‚Nürnberg-Fürth‘ um.



Restaurant am Flugplatz Atzenhof, 1926
Quelle: https://www.fuerthwiki.de/wiki/index.php?curid=31778


Um 1933 entstand auf dem Marienberg in Nürnberg ein neuer Zivilflughafen der den in Atzenhof ablöste und machte damit Platz für eine erneute militärische Nutzung durch die Reichsluftwaffe.
Zwischen 1933 und 1945 entstanden drei große Werfthallen, das Befehlsgebäude, das Feuerwehrhaus sowie Kasernenbauten.








https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Monteith_Barracks.jpg

Nach dem Krieg abnahm die U.S. Army das Gelände und nutzte das Gelände überwiegen als Panzerkaserne Monteith-Barracks. Zudem wurde auf dem Gelände eine große Asphaltbahn für die Flächenflugzeuge der U.S. Army errichtet. 1993 wurde der alte Flughafen an die Bundesrepublik übergeben. Seit dieser Zeit wurde das Areal völlig umgebaut und einer neuen Nutzung zugeführt. Im Westen entsand  Anfang der 70er Jahre der ‚Hafen‘ und der Europakanal, viele Firmen siedelten sich in einem Gewerbegebiet an und es entstand ein neues Wohngebiet.


Einige historischen Bauten sind zum Teil denkmalgeschützt und stehen noch in zumeist abgeänderter Form, ein Großteil der Gebäude sind aber im Laufe der letzten 10-15 Jahre verschwunden und im wahrsten Sinne des Wortes ‚dem Erdboden gleichgemacht‘ worden.

Noch viel mehr Infos gibt es auf folgenden Websites:
http://www.nbg-mil-com.de/Monteith/Mo-alt/mo-alt.htm
https://www.forgottenairfields.com/airfield-feurth-atzenhof-1106.html
https://www.fuerthwiki.de/wiki/index.php/Flugplatz_F%C3%BCrth-Atzenhof

HIRSCHBACHTAL – OBERKLAUSEN

Hauptbauzeit: 1937-1938
Oberklausen

Um die Sichtverhältnisse des geplanten Stadions auf dem Nürnberger Reichsparteitaggelände auf den oberen Rängen zu testen, wurde im ca. 45km von entfernten Hirschbachtal bei Oberklausen, ein Hang ausgesucht, der in etwa den Neigungswinkel hatte, den auch die geplante Tribüne bekommen sollte. Mehrere hundert Arbeiter waren 1,5 Jahre mit dem Bau beschäftigt. 1938 besichtigte Adolf Hitler zusammen mit Albert Speer, der für das Gesamtkonzept des Reichsparteitaggelände verantwortlich war, die Baustelle in der Oberpfalz.

Foto-Update 3/2019:

Dort wurde ein Teilstück der Tribüne mit verschiedenen Neigungswinkeln in Originalgröße nachgebaut um die Sicht zu testen. Nach dem Krieg wurden die Holztribünen für den Häuserbau verwendet. Die Betonfundamente und einige Halterungen der Tribüne sind noch heute sichtbar. Vor einigen Jahren wurde an der Landstraße, unterhalb des Hangs, auch eine Info-Tafel angebracht die über die Geschichte des „Stadionbergs“ informiert.

Ältere Fotos von 2004:

HAUPTPOSTAMT

Hauptpostamt (1931-1935)
Am Bahnhofsplatz 1
Heute: Postfiliale | leerstehend | Abriss 2018

Bereits 1861 stand auf dem Gelände das erste Postgebäude welches dann 1914 mit einem ‚Rundbau‘ erweitert, aber erst 1924 fertigestellt wurde.1931 ersetzte der sogenannte ‚Kopfbau‘ das alte Bauwerk im Stile der Neuen Sachlichkeit, welches ein Stahlkelett als Grundgerüst erhielt. Architekt war Max Kälberer.

Frankens ‚Gauleiter‘ Julius Streicher ließ 1933, nach der Machtübernahme der NSDAP im Nürnberger Stadtrat die Pläne zugunsten von Arkaden im Erdgeschoss und eines Walmdaches ändern und überwarf die streng kubistischen Pläne Kälberers. Von 1935 bis 1994 wurde die Nürnberger Post dort sortiert und dann ausgetragen. Das im 2. Weltkrieg beschädigte Gebäude wurde bereits 1947 leicht verändert wieder aufgebaut.

Nach dem Erwerb des Komplexes durch einen Investor im Jahr 2014 wurde bekanngegeben, dass der unter Denkmalschutz stehende alte Rundbau bis auf die Außenfassade und die Treppenhäuser kernsaniert werden soll und der markante ‚Kopfbau‘ direkt am Bahnhof wohl einem Neubau weichen muss. Eine Online-Petition für den Erhalt des Gebäudes scheiterte 2015 mangels Beteiligung. So scheint das Schicksal des Gebäudes besiegelt zu sein.
Bericht in den NN 7/2015
• Infos der Stadtbild Initiative Nürnberg

Update 2018: Mittlerweile wird das Gebäude abgerissen, das alte Postgebäude aus den 20er Jahren soll rudimentär bestehen bleiben, der markante ‚Kopfbau‘ allerdings wird schon in wenigen Tage Geschichte sein.