NS-Bauten in Bayern

Hochbunker ‚Wöhrd‘

Hochbunker Wöhrd/Luftschutzzentrale (1940/41)
Hirsvogelstraße
Heute: Private Nutzung/Dunkelcafé


(1942)D
er große Bunkerbau im Nürnberger Stadtteil Wöhrd kann noch heute 678 Personen Platz bieten. Ein Teil des 1942 fertig gestellten Bunkers ist Teil des „Erfahrungsfelds des Sinne“ und werden als Dunkelräume genutzt. Dort kann man eine „Dunkelbar“ besuchen. Der Stadtteil Wöhrd würde während der Bombenangriffe der Alliierten besonders schwer getroffen und zerstörte den Großteil des alten Ortskerns.

HIRSCHBACHTAL – OBERKLAUSEN

Hauptbauzeit: 1937-1938
Oberklausen

Um die Sichtverhältnisse des geplanten Stadions auf dem Nürnberger Reichsparteitaggelände auf den oberen Rängen zu testen, wurde im ca. 45km von entfernten Hirschbachtal bei Oberklausen, ein Hang ausgesucht, der in etwa den Neigungswinkel hatte, den auch die geplante Tribüne bekommen sollte. Mehrere hundert Arbeiter waren 1,5 Jahre mit dem Bau beschäftigt. 1938 besichtigte Adolf Hitler zusammen mit Albert Speer, der für das Gesamtkonzept des Reichsparteitaggelände verantwortlich war, die Baustelle in der Oberpfalz.

Foto-Update 3/2019:

Dort wurde ein Teilstück der Tribüne mit verschiedenen Neigungswinkeln in Originalgröße nachgebaut um die Sicht zu testen. Nach dem Krieg wurden die Holztribünen für den Häuserbau verwendet. Die Betonfundamente und einige Halterungen der Tribüne sind noch heute sichtbar. Vor einigen Jahren wurde an der Landstraße, unterhalb des Hangs, auch eine Info-Tafel angebracht die über die Geschichte des „Stadionbergs“ informiert.

Ältere Fotos von 2004:

HAUPTPOSTAMT

Hauptpostamt (1931-1935)
Am Bahnhofsplatz 1
Heute: Postfiliale | leerstehend | Abriss 2018

Bereits 1861 stand auf dem Gelände das erste Postgebäude welches dann 1914 mit einem ‚Rundbau‘ erweitert, aber erst 1924 fertigestellt wurde.1931 ersetzte der sogenannte ‚Kopfbau‘ das alte Bauwerk im Stile der Neuen Sachlichkeit, welches ein Stahlkelett als Grundgerüst erhielt. Architekt war Max Kälberer.

Frankens ‚Gauleiter‘ Julius Streicher ließ 1933, nach der Machtübernahme der NSDAP im Nürnberger Stadtrat die Pläne zugunsten von Arkaden im Erdgeschoss und eines Walmdaches ändern und überwarf die streng kubistischen Pläne Kälberers. Von 1935 bis 1994 wurde die Nürnberger Post dort sortiert und dann ausgetragen. Das im 2. Weltkrieg beschädigte Gebäude wurde bereits 1947 leicht verändert wieder aufgebaut.

Nach dem Erwerb des Komplexes durch einen Investor im Jahr 2014 wurde bekanngegeben, dass der unter Denkmalschutz stehende alte Rundbau bis auf die Außenfassade und die Treppenhäuser kernsaniert werden soll und der markante ‚Kopfbau‘ direkt am Bahnhof wohl einem Neubau weichen muss. Eine Online-Petition für den Erhalt des Gebäudes scheiterte 2015 mangels Beteiligung. So scheint das Schicksal des Gebäudes besiegelt zu sein.
Bericht in den NN 7/2015
• Infos der Stadtbild Initiative Nürnberg

Update 2018: Mittlerweile wird das Gebäude abgerissen, das alte Postgebäude aus den 20er Jahren soll rudimentär bestehen bleiben, der markante ‚Kopfbau‘ allerdings wird schon in wenigen Tage Geschichte sein.

BAHNHOF NÜRNBERG-MÄRZFELD

BAHNHOF NÜRNBERG-MÄRZFELD (1937-1939)
Thomas-Mann-Straße
Heute: Stillgelegt | Nur die Unterführung unter den Gleisen zugänglich

Der nie vollständig ausgeführte Bahnhof Märzfeld im heutigen Nürnberger Stadtteil Langwasser, wurde 1938 in Betrieb genommen. Er diente ursprünglich zur Aufnahme der Gäste, bzw. Teilnehmer der Reichsparteitage, da der Bahnhof in unmittelbarer Nähe zu den Baracken-, und Zeltlagern der teilneihmenden NS-Organisationen errichtet wurde.


Den damaligen Bahnhof erreichte man durch zwei Zugangstunnel. Der nördliche Tunnel dient bis heute als Unterführung durch die Gleisanlagen, die direkten Zugänge sind mittlerweile allerdings zugemauert oder mit Gittern verschlossen. Der südliche Zugang ist komplett zugemauert.

Nach Kriegsbeginn 1939 und der Einstellung der Reichsparteitage änderte sich die Funktion des Bahnhofs. Nun diente dieser hauptsächlich zum An- und Abtransport von Kriegsgefangenen, die nun auf dem ehemaligen Lagergelände  untergebracht wurden (heutiger Stadtteil Langwasser).

Zwischen dem 29.11.1941 und dem 25.04.1942 wurden hier über 2.000 jüdische Menschen in mehreren Transporten aus Nürnberg und Umgebung in Arbeits- und Vernichtungslager gebracht. Lediglich 72 Menschen überlebten den Holocaust.
Verantwortlich für die Deportationen war der Nürnberger Polizeipräsident SS-Brigadeführer Dr. Benno Martin.

Erst 1957 wurde die Station in ‚Bahnhof Langwasser‘ umbenannt und 1988 der Personenverkehr an diesem Standort eingestellt. Eine Infotafel des Informationsystem-Reichsparteitagsgelände ist ca. 2006 am Nordtunnel zum Gedenken an die Opfer angebracht worden.


Foto-Update 2/2020