KENNZEICHNUNGEN FÜR DEN ZIVILEN LUFTSCHUTZ

KENNZEICHNUNGEN FÜR DEN ZIVILEN LUFTSCHUTZ (ab 1940)

1940 wurden die Nürnberger Hausseigentümer aufgefordert Maßnahmen zum Luftschutz zu treffen. Es wurden in den Kellern Mauerndurchbrüche zu den Nachbarkellern geschaffen, Fenster wurden zubetoniert, Holztüren durch Eisentüren ersetzt und zusätzliche Stützen in den Kellerräumen angebracht. Zusätzliche Gerätschaften zum Brandschutz mussten in den Räumlichkeiten ebenfalls vorhanden sein.

Zur Kennzeichnung der Lufschutzräume wurden an den Außenfassaden weiße Markierungen angebracht, die auf Luftschutzräume (LSR) und Notausstiege (NA) hinwiesen. Die Markierungen mussten bis zum 1. Stock reichen, damit die Hilfsmannschaften in der Lage waren die Schutzräume ausfindig zu machen.

Durch die fortschreitende Altbausanierung verschwinden diese Kennzeichnungen und Markierungen immer mehr aus dem Stadtbild. In einigen Stadteilen sind vereinzelt noch Markierungen erkennbar
(z. B. Nordstadt, St. Johannis, Gostenhof, Südstadt).

Die Fotoauswahl erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll nur einige Beispiele zeigen.

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ZIVILER WOHNUNGSBAU IN NÜRNBERG

ZIVILER WOHNUNGSBAU IN NÜRNBERG (1933-45)

Massenarbeitslosigkeit, Armut und Wohnungsknappheit waren Ende der 20er, Anfang der 30er Jahre auch in Nürnberg zentrales Problem der Bevölkerung. Zwischen 1922 und 1931 entstanden zwar etwa 6.000 neue Sozialwohnungen, doch fehlten nach einer Wohnungszählung von 1933 noch immer 12.500 Wohnungen.

Die Nationalsozialisten versuchten u. a. mit Hilfe von schon bestehenden Plänen aus der Weimarer Republik die Wohnungsnot zu beseitigen (z.B. Siedlung Moorenbrunn – „Julius Streicher Siedlung“, Siedlung Nordost-Bahnhof, Gartenstadt), setzten aber auch auf die Errichtung von neuen Siedlerstellen (Eibach, Mühlhof, Gebersdorf, Eberhardshof).

Um an die begehrten Siedlerstellen zu kommen, mussten allerdings bestimmte Bedingungen erfüllt werden. So mussten die Siedler zwei Kinder haben, national gesinnt, politisch zuverlässig und unbescholten sowie „erbgesund“ sein.

Der soziale Wohnungsbau wurde besonders in den Kriegsjahren nur sehr zögernd fortgesetzt. Die größte neuangelegte Siedlung entstand in der Hansa- und Daimlerstraße mit 201 Wohnungen. In den Jahren 1936 bis 1938 entstanden in vielen Nürnberger Stadtteilen Wohnung von privaten Bauherren, die von der Stadt Nürnberg Steuer- und Gebührennachlässe als Anreiz erhielten (z. B. Zerzabelshof, Sündersbühl, Mögeldorf, Ziegelstein).

Viele dieser Gebäude haben den Krieg, auch aufgrund der Randstadtlage, überstanden und sind zum Teil noch gut erhalten. Die folgende fotografische Auflistung kann natürlich nur einen kleinen Teil der Gebäude wiedergeben die sich im Nürnberger Stadtgebiet befinden und erhebt somit keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

OFFIZIERSMESSE BUCHENBÜHL

OFFIZIERSMESSE BUCHENBÜHL (1937)
Rathsbergstraße 300 | 90411 Nürnberg
Heute: Jugendhotel Nürnbergbuchenbuehl_offizierskasino_IMG_0959 buchenbuehl_offizierskasino_IMG_0969 buchenbuehl_offizierskasino_IMG_0970 buchenbuehl_offizierskasino_IMG_0983Der eingeschossige Bau mit zwei Flügeln hat ein Satteldach, Sichtfachwerkgiebel und wurde im ‚Heimatstil‘ erbaut. Das Gebäude war Teil eines Luftnachrichtenlagers (Offiziersgebäude).

Möglicherweise Fundamente und Reste von weiteren Gebäuden von militärischen Bauten unweit des Offizierskasinos.

Möglicherweise Fundamente und Reste von weiteren Gebäuden von militärischen Bauten unweit des Offizierskasinos.

FRANZ-KÖHL-TURM

FRANZ-KÖHL-TURM (1936)
Reichswald (geographische Lage)
Heute: zugänglich im Reichswald

Die Wehrmacht hatte im Forst Tennlohe im Sebalder Reichwald einen Truppenübungsplatz angelegt. Der 1936 errichtet Aussichtsturm diente zur Überwachung der Schießübungen am Dornberg und am Gründlacher Berg. Die an dem sieben Meter hohen Turm war ursprünglich angebrachte Leiter wurde mittlerweile aus Sicherheitsgründen entfernt. Franz Köhl war ein Hauptmann während des ersten Weltkriegs in Südwestafrika. Ein Teil des Truppenübungsplatzes wurde bis 1993 von der US Army genutzt.

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Aufnahme von 2006

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Aufnahme von 2006

LUFTGAUKOMMANDO XIII

LUFTGAUKOMMANDO XIII (1937-1938)
Schafhofstraße
Heute: Wohnheim

Ursprünglich war für die Verwaltugsgebäude des Luftgaukommandos ein großer Komplex mit vielen Gebäuden im ländlichen Fachwerkstil vorgesehen. Dies wurde aber nur zum Teil verwirklicht. Das Gebäude enthält typische Elemente der NS-Architektur, wie die Rundbögen im Eingangsbereich oder der von Säulen getragene Vorbau des Nebeneingangs.

Das Luftgau-Kommando XIII wurde 1937 augestellt und existierte bis 1941.luftgaukommando1 luftgaukommando2 luftgaukommando3 luftgaukommando5 luftgaukommando6 luftgaukommando7 luftgaukommando8

DAF-LAGER

DAF-LAGER (1939)
Regensburger Straße 364-414
Heute: August-Meier Altenheim

1939 entstand an der Regensburger Straße, direkt angrenzend an das Reichsparteitagsgelände, ein großer Wohnkomplex für die Arbeiter der DAF die am RPT-Gelände arbeiteten. An das Hauptgebäude sind sieben zusammenhängende Nebengebäude gebaut worden, die als Unterkünfte dienten. Die im Wald liegende Anlage, die schwere Bombenschäden zu verzeichnen hatte, wurde nach dem Krieg als Unterkunft für amerikanische Soldaten und ab 1947 bis heute als Altenheim, dem „August Meier Heim“ genutzt. Das Gelände gehört zur Stadt Nürnberg.

Im hinteren Bereich wurden zeitweise Asylsuchende, bzw. Obdachlose untergebracht. Seit 1981 werden einige Gebäude auch von dem ‚Olaf-Ritzmann-Kollektiv‘, einer altlinken Wohngemeinschaft bewohnt und bewirtschaftet.

Unterkünfte für Flüchtlinge, Wohnungen

NSDAP-GAUHAUS

NSDAP-GAUHAUS (1935-37)
Marienplatz 5
Heute: Verwaltung Nürnberger Nachrichten

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Architekt des Gebäudes war Franz Ruff, an der rückseitigen Fassade befindet sich sich ein Herkulesrelief von Wilhelm-Nida-Rümelin.

Die Stadt Nürnberg nahm den 50. Geburtstag des fränkischen Gauleiters Julius Streicher zum Anlass dem umstrittenen „Frankenführer“ ein Grundstück zu schenken. Hierauf entstand in den Folgejahren das NSDAP-Gauhaus. Ein repräsentativer zweistöckiger Bau mit Reichsadler an der Vorderseite und mytischem Relief an der Rückfassade. Die Einweihung erfolgte im Februar 1937. Seit 1949 ist das gut erhaltene, bzw. wieder aufgebaute Gebäude Sitz der lokalen Nachrichtenverwaltung der Verlagsleitung des „Verlag Nürnberger Presse“ sowie die Anzeigenabteilung der „NN“, dessen Symbol“ an der Stelle des ehemaligen Reichsadlers prangt.

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Fotoupdate 2/2018

_MG_2855-1Gauhaus

LUFTSCHUTZSCHULE ‚HERMANN GÖRING‘

LUFTSCHUTZSCHULE HERMANN GÖRING (1936)
Ostendstraße 122
Heute: Mittlerweile komplett abgetragen, heute ParkplatzIMG_0649 IMG_0650 Kopie IMG_0652 IMG_0653 IMG_0654 IMG_0655
In diesem Gebäude ab Juni 1936 wurden Luftschutzwarte ausgebildet – die erste Einrichtung dieser Art in Bayern. Neben Übernachtungs- und Schulungsräumen, Speisaal und weiteren Räumen gab es im Dachgeschoss auch eine Kriechstrecke. Das Gebäude wurde bis vor kurzem von THW-Ortsgruppe Nürnberg-Nord verwendet.

LUITPOLDHALLE-LUITPOLDARENA

LUITPOLDHALLE – LUITPOLDARENA (1935-37)
An der Ehrenhalle/Bayernstraße
Heute: Parkplatz/Naherholungsgebiet/Veranstaltungsort

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Der Luitpoldhain mit dem Gefallenendenkmal (2004)

Anlässlich der hundertjährigen Zugehörigkeit Frankens zum Freistaat Bayern wurden 1906 Ausstellungshallen sowie ein großer Park am Luitpoldhain errichtet bzw. angelegt. 1912 wurde auf dem Gelände neben dem Luitpoldhain der Nürnberger Tiergarten errichtet, der allerdings in den 30er Jahren für den Bau der Kongresshalle wieder weichen musste.

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Das Gefallenendenkmal, dass von den Nationalsozialisten für die eigenen Zwecke – zur Heldenverehrung, für die Gefallenen des Putsches am 09.11.1923 missbraucht wurde.

Bereits 1927 und 1929 nutzten die Nationalsozialisten das Gelände um ihren Reichsparteitage abzuhalten. Das 1929 von der Stadt Nürnberg gebaute Ehrendenkmal für die gefallenen Soldaten des 1. Weltkriegs, wurde schon damals mit in die Veranstaltung mit einbezogen. Ab 1933-1938 wurde der Luitpoldhain regelmäßig für die sog. Blutfahnenweihe verwendet und das Gelände zur ‚Luitpoldarena‘ mit Zuschauertribünen umgebaut.

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Treppenfundamente die zur alten Luitpoldhalle führten

Zur Blutfahnenweihe kamen ca. 150.000 Mitglieder von SS, SA, NSKK und NSFK um sich auf Hitler und die NSDAP einschwören zu lassen. 50.000 Zuschauer fanden auf den neu errichteten Zuschauertribünen Platz. Kernstück waren die von der Stadt Nürnberg 1929 fertiggestellte und 1930 eingeweihte Ehrenhalle und die gegenüberliegende Ehrentribüne. Diese zentralen Punkte waren mit einer mit Granitplatten belegte, 240 x 18 m lange „Straße des Führers“ verbunden, die Adolf Hitler und die SS- und SA Führer abschritten.

Nürnberg, Reichsparteitag, SA- und SS-Appell

Bundesarchiv, Bild 102-16196 / CC-BY-SA, Reichsparteitag 1934 ‚Blutfahnenweihe‘

Nürnberg, Parteitagsgelände, Luitpoldarena

Bundesarchiv, Bild 146-2008-0027 / Gasser, Karl / CC-BY-SA , Luitpoldarena 1942

Am Rande stand die ursprünglich 1906 errichtete Luitpoldhalle die von den Nationalsozialisten umgestaltet und umgebaut wurde. Die 180 x 50 m große Halle fasste 16.000 Menschen in der während der Reichsparteitage der Parteikongress stattfand. Hier wurden unter Jubelarien Lobreden gehalten, Beschlüsse gefasst und die nationalsozialistische Ideologie offen zur Schau getragen. Die Luitpoldhalle sollte durch die nie fertiggestellte Kongresshalle abgelöste werden.

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Steinreste auf dem Gelände

Das gesamte Gelände spielt bei dem bekannten Propaganda-Film „Triumph des Willens“ von Leni Riefenstahl aus dem Jahr 1934 eine zentrale Rolle. 1959-1960 wurden sämtliche Überreste des Geländes beseitigt und der Ort wieder seiner ursprünglichen Bestimmung übergeben, sowie Neubauten errichtet (Meistersingerhalle).

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Das Fundament der im Krieg zerstörten Luitpoldhalle dient heute als Parkplatz und Veranstaltungsfläche.

Heute ist der Luitpoldhain ein Ort der Entspannung und Erholung auf dem auch Großveranstaltungen wie das „Klassik-Open-Air“ stattfinden. Die durch Bombentreffer schwer beschädigte Luitpoldhalle wurde abgerissen, das Fundament des Gebäudes dient heute als Parkplatz. Nur noch wenige Stufenreste, sowie mittlerweile anders oder nicht genutze Fußgängerunterführungen weisen auf die NS-Vergangenheit des Geländes hin.

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Südliche Unterführung die heute als Schießstand für einen Schützenverein genutzt wird.

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Nödliche Fußgängerunterführung (ohne Nutzung/verschlossen)

MÄRZFELD

MÄRZFELD (1938-1940)
Unvollendet
Heute: Stadtteil Langwasser/Park/Langwassersee

Im südlichen Anschluß an die Große Straße sollte ein fast 600.000 großes Aufmarschgelände mit Tribünenanlagen für 150.000 Menschen mit 24 Wehrtürmen entstehen. Hier sollten Aufmärsche und Manöver, wie z. B. der Tag der Wehrmacht während des Reichsparteitage stattfinden. Bei dem vorläufigen Baustopp, zu Beginn des Krieges im Sept. 1939, waren elf der Türme und Teile der 14 m hohen Tribünen fertiggestellt.

IMG_5633Nach Kriegsende wurde das riesige 955 x 610 große Gebiet von der amerikanschen Armee, unverändert belassen und als Truppenübungsplatz bzw. Lager genutzt. Um die von der Stadt geplante Wohnungsbebauung durchzuführen, mussten die fertiggestellten Türme 1966/67 gesprengt werden.

IMG_5638Bei der Wohnbebauung des Geländes ab 1972 stießen die Arbeiter immer wieder auf Fundamente des Märzfeldes. Von dem damaligen Gelände erinnert nur noch ein 2002 freigelegtes Tribünenfundament am Hermann-Thiele-Weg, an dem auch Infotafeln der wbg aufgestellt wurden. Benannt wurde das Märzfeld wahrscheinlich nach dem römischen Kriegsgott „Mars“ bzw. nach dem Datum der Wiedereinführung der Wehrpflicht im März 1935.

IMG_5619 IMG_5625Zahlreiche Granitquader und Steinreste findet man heute rund um den Langwassersee und auf einer Grünfläche in diesem Gebiet, die vermutlich von den Resten der ehemaligen Baustelle am Märzfeld stammen.

IMG_5654 IMG_5656 IMG_5661 IMG_5662Verfolgt man die damalige Umrandung des Geldändes stößt man im Wald ebenfalls noch auf Mauerfundamente.

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