Kongresshalle

DIE KONGRESSHALLE

DIE KONGRESSHALLE (1935-1940)
Bayernstraße 110

Heute: Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, Standort Nürnberger Symphoniker, Veranstaltungsort ‚Serenenadenhof‘, Lagerräume, Parkplatz

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Foto: Nico Hofmann, Nürnberg

Das Kolosseum von Rom diente als Vorbild für den größten NS-Bau in Deutschland – der Kongresshalle. Mit 275×265 Meter sollte die geplante Halle 50.000 Menschen Platz bieten. Im heutigen Innenhof (180x260m) waren die Tribünen geplant. Die Grundsteinlegung wurde 1935 von Adolf Hitler persönlich eröffnet – die Bauarbeiten wurde zu Kriegsbeginn erstmal beendet, 1940 nochmals aufgenommen dann aber bald endgültig eingestellt.

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Seit 2001 ragt der begehbare ‚Pfeil‘ des Dokumentationszentrums in den Innenhof und gewährt dem Besucher einen interessanten Gesamtüberblick über die Ausmaße des Kongressbaus.

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Der Bau sollte 68 Meter hoch werden (der heutige Bauzustand ist ca. 40m) und von einem freitragenden Dach mit Oberlicht überspannt werden. Genaue Konstruktionspläne für diese, damals wohl schwer realisierbare Baumaßnahme sind nicht bekannt. Eine Rednerkanzel, die größte Orgel der Welt und das Licht das den Redner durch das Oberlicht beschienen hätte, hinterlassen einen fast sakralen Eindruck. Für die Stadt Nürnberg und dessen Oberbürgermeister Liebel war der Kongressbau eine wichtige, prestigeträchtige Bereicherung der ‚Stadt der Reichsparteitage‘. Eine zusätzliche Nutzung außerhalb der Propagandaveranstaltung war nicht vorgesehen.

Um die Größenwirkung zu testen, bauten die Nationalsozialisten, wie auch bei einigen anderen Bauten, ein Holzmodell des geplanten Säulengangs. Architekten der Kongresshalle waren Ludwig Ruff und dessen Sohn Franz, der nach dem Tod seines Vaters den Bau weiterführte. Um dem sumpfigen Gelände rund um den Dutzendteich Herr zu werden, musste ein mehrere Meter tiefes Fundament gebaut werden, damit der Bau nicht im Schlamm versank.

Ein großer Teil des Gebäudes wird durch einen fertiggestellten, begehbaren Säulengang umfasst.

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Um das Bauvorhaben überhaupt realisieren zu können wurde der alte Nürnberger Tiergarten am Dutzendteich an seine heutige Stelle an den Schmausenbuck verlegt. Heute werden die meisten Räume als Lager genutzt oder sind nicht begehbar, bzw. zugemauert. Zudem gibt es Räume für die Nürnberg Philharmoniker, das THW-Nürnberg und die DLRG. Der Innenhof wird von der Stadt Nürnberg als Lagerstätte für die Buden des Christkindlesmarkts und die nicht mehr verwendeten Granitplatten der renovierten ‚Großen Straße‘ verwendet. Bei Großveranstaltungen wird der Innenhof der unvollendeten Halle auch als Parkplatz genutzt.

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Eingang zu Nürnberger Symphonikern im südlichen Kopfbau.

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Außentreppe zum Säulengang

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Der mit Granitplatten verblendete Kongressbau besteht eigentlich aus Millionen von Backsteinen.

_MG_3252 Die beiden vorgelagerten Kopfbauten werden als Open-Air-Veranstaltungsort und als Dokumentationszentrum genutzt. Nach dem Krieg gab es immer wieder, zum Teil, abenteuerliche Umbauplanungen, die aber an der finanziellen Umsetzung, bzw. dringlicheren Notwendigkeit des Wohnungsbaus scheiterten.

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DOKUMENTATIONSZENTRUM REICHSPARTEITAGSGELÄNDE

DOKUMENTATIONSZENTRUM REICHSPARTEITAGSGELÄNDE (2001)
Bayernstraße 110
90478 Nürnberg
http://www.museen.nuernberg.de/dokuzentrum

Das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände wurde am 4. November 2001 feierlich vom damaligen Bundespräsident Johannes Rau eröffnet. Die Ausstellung „Faszination und Gewalt“ in der nicht fertiggestellten ‚Kongresshalle‘ beinhaltet die Entwicklung des Nationalsozialismus ab Ende des 1. Weltkriegs 1918, bis zu den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen 1945/46.

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Studienforum für pädagogische Arbeit über dem Eingangsbereich

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Der Schwerpunkt der Dauerausstellung wurde dabei auf die Rolle Nürnbergs zur Zeit des Nationalsozialismus gelegt. So bekamen die geplanten und ausgeführten Bauten des Reichsparteitagsgeländes, die Geschichte der Reichsparteitage, sowie die Nürnberger Prozesse eine besondere Gewichtung. Ergänzt wird die Dauerausstellung durch Sonderausstellungen in den Räumlichkeiten des nördlichen ‚Kopfbaus‘ und durch die Möglichkeit der pädagogischen Nutzung des Studienforums mit Themengesprächen, Studientagen und Sonderveranstaltungen.

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Caféteria im Dokuzentrum

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Treppenaufgang zur Dauerausstellung

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Aufzug und Glasdachkonstruktion des Museums in der Eingangshalle

Bei der Architektur des Museums wurde besonderen Wert darauf gelegt den Kongressbau „nicht fertig zu stellen“, sondern durch Verwendung anderer Materialien und durch räumliche Trennung, aber unter Einbeziehung der vorhandenen Räumlichkeiten, eine gewisse Distanz zu schaffen. Kernstück der neuen Architektur ist der sog. „Pfahl“ der den gesamten Kopfbau des Gebäudes regelrecht zerschneidet und die den Kongressbau zum Ausstellungstück macht.

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Der Eingangsbereich

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Der ‚Pfahl‘ der sich quer durch das Gebäude zieht.

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Die Ausstellung „Faszination und Gewalt“ löste die alte Ausstellung im Inneren der Zeppelintribüne ab, die man hier von 1985-2001 besuchen konnte.

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Die alte Ausstellung ‚Faszination & Gewalt‘ von war von 1985-2001 nur in den Sommermonaten geöffnet, da im Inneren keine Heizung installiert war.

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Ausstellungstücke der alten Ausstellung

Jährlich besuchen über 235.000 Besucher das Dokumentationszentrum – ca. 50% der Gäste kommen aus dem Ausland. Das Museum ist wochentags von 9 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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