Luftschutzbauten

Bunker, Fassadenhinweise, Keller

LAUFERTORBUNKER

LAUFERTORBUNKER (1943)
Innere Laufer Gasse
Heute nicht zugänglich

Der ehemalige Brauereikeller (vermutlich aus dem 19. Jhdt.), würde erst 1943 von ukrainischen Zwangsarbeitern zum Bunker ausgebaut. Hierbei wurden zum Teil Backsteine verwendet, die ursprünglich für die Großbaustelle Kongresshalle beim Reichsparteitagsgelände am Dutzendteich vorgesehen waren.
Die Bauarbeiten an dem Gebäude waren bereits 1940 weitgehend eingestellt worden.

Der tiefsten Stellen der Anlage befinden sich ca. 13m tief unter der Oberfläche und konnte ca. 2-3.000 Menschen Schutz bieten. Interessant ist die Tatsache, dass die Stadt Nürnberg selbst Büros in dem weitverzweigten, ca. 25.000qm großen Tunnelsystem unterhielt. Hier waren Büros der Stadtwerke untergebracht, die die Versorgung der Bevölkerung mit Gas, Strom- und Wasserleitungen regeln sollten, die nach Bombenangriffen beschädigt wurden.

Eine weitere Besonderheit ist der ca. 40m tiefe ‚Notbrunnen‘ mit dem damals fast fertiggestellten Rohnetzsystem. Dies würde erst nach 1945 weiter ausgebaut und fertiggestellt und ist heute im Falle eines Katastrophenfalls einsatzbereit zur Notversorgung.

Von außen weisen lediglich einige Lüftungsschächte unweit des Läufer Tor Turms auf das unterirdische Bunkersystem hin. Der Zugang gestaltet sich eher unspektakulär.

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PALMENHOFBUNKER

PALMENHOFBUNKER (1940)
Schlotfegergasse
Heute nicht mehr zugänglich

Der Palmenhofbunker, ein ehemaliger Brauereikeller in der westlichen Nürnberger Altstadt, war in den Kriegsjahren Befehlsstelle der örtlichen Leitung des Luftschutzes und von Kampfkommandant Richard Wolf geleitet worden.

Nachdem sich dieser abgesetzt hatte übernahm der stellvertretene Gauleiter Karl Holz die letzte Verteidigung gegen die anrückenden amerikanischen Soldaten und lieferte sich einen fanatischen aber aussichtslosen Kampf bei dem er schließlich auch zum Opfer fiel.

Während dieser letzten Kampfhandlungen veranstaltete die US-Army bereits ihre Siegesfeier auf dem ehemaligen Adolf-Hitler-Platz, dem heutigen Hauptmarkt damit die Nachricht noch in der Wochenschau gesendet werden konnte. Der Zugang zu dem nicht öffentlich zugänglichen Bunker befindet sich im heutigen Polizeipräsidium.

Im Inneren des Bunkers sind heute noch zahlreiche, gut erhaltete Wandmalereien und Zeichen der damaligen Zeit zu sehen.

Fotos mit freundlicher Genehmigung © MAIK KOPLECK – www.pastfinder.de

TIEFBUNKER SPITTLERTOR

TIEFBUNKER SPITTLERTOR (1941)
Spittlertorzwinger
Heute nicht zugänglich.

Neben den Bunker unterhalb des Plärrers (heute nicht mehr vorhanden) und dem Hochbunker im Spittlertorturm, ist der Tiefbunker unterhalb des Spittlertorzwingers der dritte Bunker in unmittelbarer Nähe um den Verkehrsknotenpunkt Plärrer.

In dem Bunker sind noch einige technische Geräte original erhalten, wie z. B. zwei „Luftförderer“, einige Überdruckventile, Türen, Wandmalereien und diverse Leitungen.
Der relativ kleine Bunker mit fünf Räumen wahr ursprünglich größer gewesen. In östlicher Richtung gibt es wohl noch weitere Gänge und Räume – der Zugang ist allerdings zugemauert worden. Nach dem Krieg diente der Bunker auch zeitweise als Hotel.

OBSTMARKTBUNKER

OBSTMARKTBUNKER (1941-43)
Obstmarkt
Heute nicht zugänglich.

Der Luftschutzbunker unter dem Nürnberger Obstmarkt, in unmittelbarer Nähe zum Hauptmarkt und dem Rathaus wurde von 1941-1943 errichtet. Über 850 Personen fasste der Tiefbunker. Nach Kriegsende 1946 diente der Bunker als Wohnraum für ausgebombte Nürnberger Einwohner und Flüchtlinge.

Von 1948-1951 wurde der ‚Wehrbau‘ aufgrund der angespannten Hotellage in Nürnberg (Die meisten intakten Hotels waren u.a. wegen der Nürnberger Prozesse von amerikanischen Beobachtern, Presseleuten und Teilnehmern belegt).

Das ‚Hotel zum Rathskeller‘ wurde mit nostalgischen Malereien mit historischen Nürnberger Motiven vor der Zerstörung von dem fränkischen Maler Max Götz verziert. Das Hotel bot keinen besonderen Komfort, konnte aber mit einem Gemeinschaftsbad mit Badewanne aufwarten. 1951 wurde das Hotel dann wieder wegen mangelnder Nachfrage geschlossen.

Über einem der beiden mittlerweile zugemauerten Zugänge zum Bunker befindet sich heute eine Auslagenvitrine eines Bekleidungsgeschäfts. Im Jahr 2005 gab es während der ‚Blauen Nacht‘ eine Klanginstallation, im Mai 2015 gab es die Möglichkeit die unterirdischen Räumlichkeiten im Rahmen einer Führung zum 70sten Jahrestages des Kriegsendes erneut zu sichten.

KENNZEICHNUNGEN FÜR DEN ZIVILEN LUFTSCHUTZ

KENNZEICHNUNGEN FÜR DEN ZIVILEN LUFTSCHUTZ (ab 1940)

1940 wurden die Nürnberger Hausseigentümer aufgefordert Maßnahmen zum Luftschutz zu treffen. Es wurden in den Kellern Mauerndurchbrüche zu den Nachbarkellern geschaffen, Fenster wurden zubetoniert, Holztüren durch Eisentüren ersetzt und zusätzliche Stützen in den Kellerräumen angebracht. Zusätzliche Gerätschaften zum Brandschutz mussten in den Räumlichkeiten ebenfalls vorhanden sein.

Zur Kennzeichnung der Lufschutzräume wurden an den Außenfassaden weiße Markierungen angebracht, die auf Luftschutzräume (LSR) und Notausstiege (NA) hinwiesen. Die Markierungen mussten bis zum 1. Stock reichen, damit die Hilfsmannschaften in der Lage waren die Schutzräume ausfindig zu machen.

Durch die fortschreitende Altbausanierung verschwinden diese Kennzeichnungen und Markierungen immer mehr aus dem Stadtbild. In einigen Stadteilen sind vereinzelt noch Markierungen erkennbar
(z. B. Nordstadt, St. Johannis, Gostenhof, Südstadt).

Die Fotoauswahl erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll nur einige Beispiele zeigen.

Hochbunker Landgrabenstraße

Hochbunker Landgrabenstraße

Der in den 40er Jahren fertigestellte Hochbunker an der Landgrabenstaße fasste ca. 1.000 Menschen und überstand sogar einen Bombenvolltreffer. Der Bunker wurde zwar 1983 als Folge des ‚Kalten Krieges‘ modernisiert und mit einem Fassadenanstrich versehen, wirkt aber trotzdem wie ein Fremdkörper in der Südstadt.
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Der Bunker wurde bis ca. 2011 von dem Museum Industriekultur als Lagerraum benutzt und war auch noch als Luftschutzraum für 1912 Menschen ausgewiesen. Die Außenwände des Gebäudes haben eine Dicke von 1,40 Metern, im Keller gar 3 Meter. Jedes Stockwerk hat eine Höhe von 2,35 Meter, die Grundfläche des komplett aus Beton gebauten Gebäudes beträgt 22,2 x 26,65 Meter, die Gesamtnutzfläche 2.765 qm.
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Der Bund bot Anfang 2013 den Bunker als ‚Wohnimmobilie‘ zum Verkauf an.
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HOCHBUNKER SPITTLERTORTURM

HOCHBUNKER SPITTLERTORTURM (1940-41)
Spittlertor
Heute nicht zugänglich/Lager

Der Spittlertorturm hat seinen Namen von dem damaligen nahgelegenen Spital St. Elisabeth und wurde ursprünglich als eckiger Turm Ende des 14 Jhdt. erbaut. Erst 1558 bekam der Turm die heutige runde Form und die „Gefechtsplattform“.

IMG_0456Im Zuge der Luftschutzbaumaßnahmen im Dritten Reich wurde auch dieser ehemalige Stadtmauerturm zu einem Luftschutzhochbunker für ca. 450 Personen ausgebaut. Der Turm überstand die schweren Bombenangriffe des 2. Weltkriegs nahezu unbeschadet.

Nach dem Krieg diente der Turm zur „Überwachung“ des nahegelegenen Rotlichtviertels und später zur Überwachung des Verkehrs am Plärrer. Heute ist der Turm Teil des Garnisonsmuseums in dem hunderte Bücher und Filme sowie einige Exponate untergebracht sind.

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(Hier eines der Exponate – ein berlebensgroßes, altarähnliches Gemälde von 1920, auf dem der Tod Soldaten in den Krieg lockt – Künstler unbekannt).

Hochbunker Grübelstraße (1941)

Nürnberg, Hochbunker Grübelstraße 30 – ‚Grübelbunker‘

Der dem Nürnberger Altstadtbild angepasste Hochbunker, der 1942 fertiggestellt wurde, fasste mehr als 600 Menschen. Ende der 90er Jahre wurde das Gebäude als Wohnhaus umbebaut. Das Stadtgebiet in dem der damalige Bunker steht, war eine der zerstörtesten Stadtteile Nürnbergs während des 2. Weltkriegs. Nur wenige Gebäude überstanden die Bombenangriffe der englischen und amerikanischen Bomberstaffeln.

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Hochbunker Bleiweiß (1941)

Einer der außergewöhnlichsten Hochbunker Nürnbergs findet man im Nürnberger Stadtteil Bleiweiß im Süden von Nürnberg: den Bleiweißbunker.

Der Bunker wurde durch eine außergewöhnliche Fassadenmalerei des Nürnberger Künstlers Wolfgang Harms 1987 zu einem Kunstwerk umgestaltet. (Homepage von Wolfang Harms)

Das Gebäude wirkt heute fast wie eine Trutzburg. 1016 Menschen fanden hier im 2. Weltkrieg IMG_4413 IMG_4414 IMG_4415 IMG_4419 IMG_4420 IMG_4421gegen den Bombenhagel Schutz.

Die Räumlichkeiten werden heute zum Teil von der Stadt Nürnberg und einer Jugendorganisation als Lagerraum benutzt.